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Im neuen Ärztehaus sind tibetische Heiltafeln zu sehen

 

 

 

 

Unter bildgebenden Verfahren in der Medizin versteht man unter anderem Ultraschall, Röntgen und Computertomografie. Doch auch in der traditionellen tibetischen Medizin spielen Bilder eine große Rolle. Diese beiden Bilderwelten treffen nun in einer Ausstellung im neuen Ärztehaus am Klinikum aufeinander.


Insgesamt 20 tibetische Heiltafeln zieren dort die seit kurzem die Wände. Genau wie die botanischen Zeichnungen eines Carl von Linné oder einer Maria Sibylla Merian nicht nur den Wissenschaftler, sondern auch den Kunstfreund erfreuen, sind auch die tibetischen Tafeln beides: Wissenschaft und Kunstwerk. Dazu kommt noch eine spirituelle Dimension, vergleichbar mit den Handschriften aus mittelalterlichen Klöstern. Genau wie diese wurden die "Medizinthangkas", wie die Tafeln auch genannt werden, von Mönchen eines tibetischen Klosters einzeln von Hand abgemalt, begleitet von Gebet und Meditation.

Respekt zollen die modernen Ärzte dem Wissen der tibetischen Heiler und der Kunstfertigkeit der Illustratoren. Denn an Genauigkeit und medizinischem Fachwissen lassen die Tafeln nichts zu wünschen übrig. Bran Hodapp, Leiter des tibetischen Zentrums in der Lahrer Schillerstraße, war eigens gekommen, um beim Pressetermin zur Ausstellungseröffnung die Hintergründe zu erklären.

 


Die Thangkas fassen das medizinische Wissen der Tibeter zusammen. Bis heute dienen sie als Lehrbuch und Gedächtnisstütze in der tibetischen Medizin. Vorläufer sind bereits im 8. Jahrhundert entstanden. Im 17. Jahrhundert fasste Sangye Gyamtso, Gründer der medizinischen Klosteruniversität Changpori in Lhasa, dieses Wissen in insgesamt 77 Bildtafeln zusammen, die seither in Handarbeit kopiert werden.

Die in Lahr gezeigten Exemplare stammen aus dem Besitz der Familie Maentele. Die Tochter des 2007 verstorbenen Horst-Peter Maentele und seiner Frau Marianne, die Ärztin Annabelle Joppich, war mit ihrem Mann in Tibet gewesen, um dort Akupunktur zu studieren. Die Thangkas erstanden sie in einem zu einem Kloster gehörenden Laden, der von ihrem speziellen Interesse an der traditionellen asiatischen Heilkunst und an deren künstlerischer Darstellung erfahren hatte. Annabelle Joppich lebt heute in Aachen, doch die Thangkas blieben in Lahr, wo der Radiologe Peter Banse sie entdeckte.

Nun also hängen die auffallenden Illustrationen in der Radiologen-Praxis von Peter Banse, Thomas Baitsch und Klaus Mott im Ärztehaus. Aus der Ferne entfaltet vor allem die klare Farbgebung und die ungewöhnliche Aufteilung der Blätter ihren Reiz. Von Nahem betrachtet besticht die Detailgenauigkeit, die auf hoch entwickelte anatomische Kenntnisse zurückgeht, wie sie zu gleicher Zeit in Europa noch längst nicht gegeben waren. Spannend auch der ganzheitliche Ansatz, der in der westlichen Welt wohl nur mit der Homöopathie vergleichbar ist.

Medizinische Thangkas aus Tibet. Ausstellung in der Radiologischen Praxis Baitsch, Banse, Mott, Ärztehaus Lahr, 1. Obergeschoss. Geöffnet zu den üblichen Praxiszeiten.

 

http://www.badische-zeitung.de/lahr/verschiedene-bilderwelten--26519959.html